Otto R. Redlich und die Geschichte des Bergbaus im Amt Angermund

Im Jahr 1900 veröffentlichte Otto Redlich einen umfangreichen Aufsatz mit einer stattlichen Urkundensammlung zur Geschichte des Bergbaus am Niederrhein. In diesem Aufsatz fasste er den Begriff „Niederrhein“ recht weit und so fanden nicht nur Urkunden aus dem Herzogtum Jülich Aufnahme in seine Sammlung, sondern auch einige aus dem Herzogtum Berg, das ja bekanntlich das Amt Angermund beherbergte.

 

Der Autor: Otto R. Redlich

Otto Reinhard Redlich, der Autor des eben erwähnten Aufsatzes und fleißige Sammler der Urkunden war im Jahr 1891 als Archivar an das Staatsarchiv Düsseldorf gekommen, nachdem er zuvor im Staatsarchiv Marburg tätig gewesen war.

Seine berufliche Laufbahn begann Otto Redlich mit einem Studium der Fächer Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Germanistik und Philosophie in Tübingen, Berlin und Leipzig. Bereits im Jahr 1887 wurde der am 15. Februar 1864 in thüringischen Haina geborene Otto Reinhard an der Universität Leipzig promoviert. In dieser bei Wilhelm Maurenbrecher eingereichten Dissertation beschäftigte er sich mit dem Nürnberger Reichstag in den Jahren 1522-1523. Es war daher nicht verwunderlich, dass er nach Abschluss der Promotion zunächst als Mitarbeiter der Edition der Deutschen Reichstagsakten tätig war, bevor er 1889 ins Staatsarchiv Marburg wechselte.

Nachdem Redlich 1891 nach Düsseldorf gekommen war, arbeitete er einige Jahre als Archivar im Staatsarchiv und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur jülich-bergischen Landesgeschichte. Im Jahr 1906 wurde er zum Archivrat ernannt und 1916 zum Geheimen Archivrat. Damit aber war das Ende der Karriere für ihn noch nicht erreicht, denn 1921 wurde er schließlich Archivdirektor des Staatsarchivs Düsseldorf, das heute Landesarchiv Abteilung Rheinland heißt und seinen Sitz in Duisburg am Innenhafen hat.

Acht Jahre übte Redlich diese Tätigkeit noch aus, bevor er 1929 in den Ruhestand trat, obwohl man wohl eher von Unruhestand sprechen sollte, denn als Historiker und Archivar mit Leib und Seele, konnte Redlich nicht ohne (historische) Betätigung bleiben und engagierte sich bis zum Jahr 1933 für den Aufbau der Archivberatungsstelle Rheinland.

Gestorben ist Otto Reinhard Redlich am 9. Dezember 1939 in Düsseldorf.

 

Der Bergbau im Amt Angermund nach den Forschungen Otto Redlichs

Die erste ernüchterte Bilanz, die Otto Redlich in seinem Aufsatz zog, war die, dass die Geschichte des Bergbaus am Niederrhein und speziell im Bergischen, ein nahezu unbearbeitetes Forschungsfeld darstellt. Nun, der Aufsatz Redlichs ist inzwischen 116 Jahre alt, man sollte also meinen, dass sich an diesem Zustand inzwischen etwas geändert hätte, denn Zeit genug war ja. Realiter aber kann die Aussage Redlichs bis heute stehen bleiben, denn auch spätere Generationen widmeten sich nur rudimentär dieser Thematik.

Nicht widerlegt wurde auch bis dato die Schlussfolgerung Redlichs, auf Basis der ihm bekannten Quellen, „dass während des Mittelalters der Bergbau hier am Niederrhein nur eine sehr bescheidene Rolle gespielt haben und erst gegen Ende des 15., hauptsächlich aber im 16. Jahrhundert zu grösserer Bedeutung gelangt sein muss.“[1]

Speziell für das Amt Angermund interessant sind zwei Urkunden aus den Jahren 1580 und 1589 (Nr. 29 und 31). Es handelt sich bei der ersten Urkunde um ein Privileg des Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg für den Alaunbergbau im Kirchspiel Homberg, im Amt Angermund und um eine Supplikation der Gewerken des Homberger Alaunbergwerks an den Herzog.

Alaun ist ein heute nicht mehr allzu bekannter Begriff; es handelt sich dabei um ein Doppelsalz von Kalium und Aluminium (Kaliumaluminiumsulfat). Bereits die Ägypter nutzten Alaun als Flammschutzmittel für Holz, ebenso taten es die Römer, die darüber hinaus auch die Wirksamkeit dieses Stoffes als Deodorant nutzten.

Dieses Salz also wurde spätestens seit dem Jahr 1580, wahrscheinlich aber doch schon weit früher, in Homberg abgebaut.

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[1] Redlich, Bergbau am Niederrhein, S. 120.

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