Theodor Joseph Lenzen: Beiträge zur Statistik des Herzogthumes Berg

Im Jahr 1802 veröffentlichte Theodor J. Lenzen seine „Beiträge zur Statistik des Herzogthumes Berg“. In diesem Heft beschäftigte er sich sowohl mit der Verwaltung des Herzogtums, als auch mit der Wirtschaft und der allgemeinen Verfassung dieses westlichen Territoriums des deutschen Reiches, das zu diesem Zeitpunkt unter pfalz-bayerischer Herrschaft stand. Auch die Steuern des Landes füllen einen großen Teil dieser Beiträge.

Karte des Herzogtums Berg
By S. Sanson Kartograph 1696 [Public domain], via Wikimedia Commons

Dabei stellte Lenzen immer wieder fest, dass es um das Herzogtum nicht zum Besten bestellt war, denn der Getreideanbau reiche nicht einmal für die Selbstversorgung, die Wälder seien in schlechtem Zustand und auch die Bergwerke seien nicht wirklich produktiv. Einzig in den „unermesslichen Fabriken und Manufacturen“ bestünde der „Haupt-Reichthum“ des Landes.

 

Theodor Joseph Lenzen

Der Autor dieser wohl realistischen und eher düster klingenden Beschreibung des Herzogtums Berg zählte durchaus zum „Inner-Circle“ des Herzogtums und der Verwaltungsriege des Landes. Geboren worden war er im Jahr 1762 in Heinsberg, über seine Eltern und seine Kindheit sind wir nicht informiert. Im Jahr 1780 begann er ein Studium der Theologie an der Universität Köln, das ihm aber offenbar nicht wirklich entsprach, denn im Jahr 1782 wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu, begann seine berufliche Laufbahn 1784 und wurde 1785 Kanzleiadvokat.

1789 dann wurde er Stadtrat in Düsseldorf, wo man ihn 1793 mit der Neukonzeption der Armenfürsorge beauftragte. In Düsseldorf muss er zu den bedeutenden und anerkannten Personen gehört haben, denn neben seiner Tätigkeit als Ratsherr war er auch leitendes Mitglied der „Gesellschaft zur Beförderung der Künste und Gewerbe, der Musik-Akademie und Concert-Gesellschaft“ sowie Mitglied der Freimaurerloge „Zu den drei Verbündeten“.

Zum Mitglied des Kriegskommissariats wurde er im Jahr 1793 ernannt und 1797 zum Hofkammerrat befördert. Bereits ein Jahr später tritt er als Konsulent des Handelsvorstandes in Erscheinung und als Prokurator des französischen Zollgerichts, so wird deutlich, dass seine Aussagen bzgl. der bergischen Wirtschaft auf fundiertem Wissen und Erfahrung beruhten.

Auch in der Zeit der französischen Herrschaft über das Herzogtum Berg, in den Jahren 1806 bis 1813, blieb Theodor Joseph Lenzen offenbar recht aktiv, auch wenn wir keine genauen Kenntnisse über diese Zeit haben, bis auf den Hinweis, dass er sich im Jahr 1809 in Paris aufhielt.

Offenbar verfolgte er aber seine Karriere und auch seine wissenschaftlichen Ambitionen gezielt weiter, so erklärt sich seine Promotion im Jahre 1811 an der Universität Duisburg, aufgrund deren er 1812 zum Appellationsgerichtsrat ernannt wurde. Damit aber war seine Karriere noch nicht beendet, denn 1819 berief man ihn als Oberappellationsgerichtsrat nach Köln. Hier allerdings blieb er nicht lange, offenbar zog es ihn nach Düsseldorf zurück und so wurde er dort im Jahr 1820 Präsident des Schwurgerichtshofs.

Gestorben ist Theodor Joseph Lenzen am 28. Februar 1835 in Düsseldorf.

 

Das Amt Angermund in Lenzens „Beiträge[n] zur Statistik des Herzogthumes Berg“

Theodor Lenzen beschreibt das Amt Angermund als eine grüne, waldreiche und in Teilen auch sehr fruchtbare Region mit Wildpferden und Manufakturen, wie Cromford,  sowie Eisenindustrie und Brandweinbrennereien. Auch die Alaun-Siederei, über die ich bereits in einem vorangegangenen Artikel berichtet habe, sowie die Kalkbrennereien bleiben in seiner Aufzählung nicht unerwähnt.

haus-cromford
Haus Cromford – Ratingen;  Foto: Anja Kircher-Kannemann

 

Der recht kurze Text sei hier in Gänze wiedergegeben:

„Der in der Ebene am Rheine gelegene Theil dieses Amtes hat fruchtbare Getreide-Felder, welche Weitzen, Rocken und Gerste hervorbringen; die Ackerwirthschaft ist daselbst in gutem Stande, nur verursachet die aus Mangel des Fonds seit dem Jahre 1798 unterlassene Ausbesserung der Rheindämme hier viele schädliche Ueberschwemmungen. Der Landwärts gelegene Theil des Amtes ist aber bergicht, und weniger fruchtbar. Hier nehmen die Waldungen den grössten Raum ein, von denen viele, weil sie Gemeinheiten, oder Gemarken-Beerbeten gemeinschaftlich angehören, sich in sehr elendem Zustande befinden, und ungeheure Strecken öde liegen, welche gehörg vertheilt, dem Ackerbaue, und der Holz-Cultur ansehnliche Vortheile gewähren könnten. In einem Theile dieser Waldungen, und dem angränzenden Duisburger Forste ist die landesherrliche, und einigen Beerbeten angehörige wilde Pferdezucht, aus welcher vor dem letzteren Kriege jährlich viele schönen Pferde zu dem Churfürstlichen Marstalle geliefert wurden. Unter den Manufacturen dieses Amtes ist die Baumwoll-Spinnerey mit englischen Wassermaschinen, welche der Commerzienrath Brügelmann zu Cromfort bey Ratingen angelegt hat, die vorzüglichste; daselbst ist auch eine türkisch-roth Färberey, und eine Farbstoffenmühle. Zu Velbert und Heiligenhaus gibt es ansehnliche Eisen-Fabriken, zu Angerort und Huckingen grosse Brandweins-Brennereyen. In dem Lintorffer Walde ist seit einigen Jahren eine Alaun-Siederey angelegt. In der nemlichen Gegend gibt es viele Kalkbrennereyen, von welchen die jenseits des Rheins, und unterhalb gelegenen kölnischen, und clevischen Länder ihre Bedürfnisse so wohl zum Hausbaue, als zum Düngen der Aecker hernehmen müssen, wozu eine von der bergischen und clevischen Regierung begnädigte, aus Kalkbrennern, und Kalkschiffern bestehende Gilde angeordnet ist.“

Der Text zeigt, dass ausgangs des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Amt Angermund seine Ressourcen und seine Möglichkeiten schon recht gut ausschöpfte, aber, natürlich, immer noch Luft nach oben blieb.

Die Tabelle, einige Seiten weiter (Seite 65, Heft 1) gibt an, dass die Bevölkerungszahl sich zum Erscheinungstermin des Heftchens von Lenzen im Amt Angermund auf 11.844 Seelen belief, die sich auf 4.942 Familien und 1.571 Feuer- und Hofstätten sowie Häuser verteilten. Im Vergleich dazu lebten zum gleichen Zeitpunkt 2.596 Menschen in Ratingen, sowie 1.198 in Kaiserswerth, wohingegen die Stadt Düsseldorf mit 12.102 Einwohnern einige wenige Seelen mehr zählte als das Amt Angermund. Am Einwohnerstärksten war im Übrigen das Amt Blankenberg mit 20.922 Einwohnern.

Kalkumer Kirche
Kirche in Kalkum; Foto: Anja Kircher-Kannemann

Der selben Tabelle können wir entnehmen, dass das Amt Angermund konfessionell heterogen war und es sowohl katholische, als auch lutherische und reformierte Gemeinden hier gab. Die katholische Konfession war allerdings mit Abstand die wichtigste und stärkste und verfügte über Gemeinden in Angermund, Mündelheim, Wittlaer, Kalkum, Rath, Lintorf und Homberg. Reformierte Gemeinden fanden sich in Heiligenhaus, Homberg und Velbert und ebenfalls in Heiligenhaus und Velbert gab es zwei lutherische Gemeinden.

Interessant ist vor allem auch die auf Seite 89 im ersten Heft zu findende Tabelle, die uns über die im Amt Angermund vorhandenen Rittersitze, Stifter und Klöster und vor allem auch die Personen in Kenntnis setzt, die Landtagsfähig waren.

Als Rittersitze des Amtes Angermund zählt Theodor Lenzen auf: Winkelhausen, Lohausen, Hugenpoet, Rimberg (Remberg), Landsberg, Angeren, Griffenstein (Gräfgenstein), Zum Haus, Heltrop (Heltorf), Kesselsberg, Oeft, Hausmannshausen, Boekum (Böckum), Hain, Kalcum (Kalkum), Leuchtenberg, Rommeljan, Burg, Heiligendonk, Kaldenberg und Linnep.

Stifter bzw. Klöster kennt Lenzen zwei und zwar das Frauenkloster der 3. Regel des Heiligen Franziskus in Rath und das Minoritenkloster in Ratingen.

Als Mitglieder des Landtages aus dem Amt Angermund nennt uns Theodor Josef Lenzen den Freiherrn von Beveren, den Grafen von Schellard von Obendorf und zu guter Letzt den Freiherrn von Vittinghoff genannt Schell.

 

 

 

 

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