Haus Böckum – Huckingen

Haus Böckum

Haus Böckum - Toreinfahrt
Haus Böckum – Toreinfahrt
Gut-Böckum Turm
Haus Böckum Turm

Wenn man heute an Haus Böckum vorbeigeht, dann sieht es aus wie ein großer Bauernhof. Es erscheint eher ungepflegt und leicht marode, versprüht aber auch den Charme vergangener Jahrhunderte und wenn man ein wenig genauer hinschaut, dann wird klar, dass dies nicht nur ein etwas zu groß geratener Bauernhof sein kann und dass sich etwas mehr in der Geschichte dieses Hauses verbergen muss. Vor allem die aus dem 17. Jahrhundert stammende Toreinfahrt beeindruckt den Vorbeikommenden und wenn auch das zweistöckige Backsteingebäude selbst kaum von ehemaliger Pracht zeugt, so lässt doch auch der Eckturm mit seiner geschweiften Schieferhaube, auch wenn er hinter Bäumen und Sträuchern heute kaum mehr zu sehen ist, erahnen, dass es sich bei Haus Böckum um ein ehemals wichtiges Gut gehandelt haben muss.

Haus Böckum Turm
Haus Böckum – Turm

Haus Böckum liegt unweit eines Bachlaufes der Anger und ist, zumindest noch, umgeben von Wiesen und in neuerer Zeit auch von einem Golfplatz. Man sieht es dem Haus und den umgebenden Gebäuden an, dass sie ein Überbleibsel sind aus einer feudalen Zeit, als das Haus noch Herrensitz war.
Über die frühesten Anfänge von Haus Böckum ist nicht viel bekannt und jenseits einer ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahre 1387 ist im Grunde nichts bekannt.

Denkmaltafel an Haus Böckum
Denkmaltafel an Haus Böckum

Erst ab dem 16. Jahrhundert wird die Quellenlage besser und unsere Kenntnisse über dieses durchaus imposante Gebäude, seine Besitzer und Bewohner nehmen zu. In dieser Zeit war es die im Amt Angermund sehr bekannte und einflussreiche Familie von Bawyr, die Haus Böckum bewohnte und in deren Besitz es sich befand. Hermann von Bawyr, der verheirate war mit Elisabeth von Merode zu Frankenberg bewohnte Mitte des 16. Jahrhunderts Haus Böckum. Sein Sohn Adam Bawyr war zudem Besitzer von Haus Romilian bei Ratingen. Verheiratet war er mit Dorothea von Eller zu Laubach. Ihr gemeinsamer Sohn Johann Hermann von Bawyr, geboren am 2. Februar 1583, der bis zu seinem Tode am 8. März 1647 als brandenburgischer Landeskommissar tätig war, erbte Haus Böckum. Er war in erster Ehe mit Maria von Merode verheiratet und in zweiter mit Elisabeth von Schade. Auch nach seinem Tod blieb Böckum in Besitz der Familie Bawyr und als nächster Vertreter begegnet uns Johann, der meist mit der Schreibweise „von Baur“ in den Urkunden genannt wird. Er war seit dem Jahr 1636 verheiratet mit Maria von Scheidt genannt Weschpfennig zu Heltorf, der Tochter eines ebenfalls für die Geschichte des Amtes Angermund wichtigen Geschlechtes. Als Johann von Bauer am 5. April 1647 kurz nach seinem Vater in Kleve starb hinterließ er seiner Frau einen enormen Schuldenberg und einen unmündigen Sohn mit Namen Johann Friedrich. Maria heiratete im Jahr 1649 erneut und zwar Friedrich Christian von Spee, aus dem bis heute wohl einflussreichsten und bekanntesten Adelsgeschlecht, welches das Amt Angermund aufzuweisen hat.
Haus Böckum allerdings ging zunächst nicht in den Besitz der Grafen von Spee über, sondern verblieb als Erbe bei der Familie von Bawyr. Johann Friedrich, der Amtmann zu Löwenberg war und als jülich-bergischer Kammerrat und Oberst dem Hof in Düsseldorf nahestand, behielt Haus Böckum in seinem Besitz bis er im Jahr 1691 verstarb und das Erbe an seine Kinder überging. Es ist nicht genau zu klären, ob er acht oder neun Kinder hatte.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts dann findet sich Haus Böckum in Besitz eines Generals Friedrich Franz von Frankenberg. Er verstarb im Jahr 1726. Mit ihm verliert sich die Spur von Haus Böckum wieder ein wenig und wir haben erst wieder genauere Kenntnisse ab dem Jahr 1767. Zu diesem Zeitpunkt kaufte ein Theodor Freiherr von Hallberg das Anwesen. Wieder wissen wir für einige Jahre nichts genaues, bis im Jahr 1801 der berühmte Johann Gottfried Brügelmann, der Besitzer und Gründer der ersten Textilfabrik auf dem europäischen Kontinent, Haus Böckum kaufte. Er behielt dieses Gut zeit seines Lebens in Besitz und erst seine Witwe verkaufte es im Jahr 1857 für erstaunliche 130.000 Taler an August Wilhelm Graf von Spee. Im Jahr 2012 verkauften die Grafen von Spee Haus Böckum an einen Berliner Investor. Seither verfällt das Gebäudeensemble zusehends.
Wissen wir schon nur wenig über die Besitzer und Bewohner von Haus Böckum, so ist es noch schlechter bestellt um die Nachrichten, die das Haus als solches und seine Geschichte betreffen. Zu den bekannten Details zählt etwa, dass das Haus, ähnlich wie auch heltorf, Linnep und Winkelhausen so genannte Stroetrechte besaß, d. h. man durfte im Duisburger Wald Wildpferde halten. Dieses Recht wurde jedoch im Jahr 1716 an des bergischen Landesherrn für 1.000 Taler verkauft.
Wohl in den Jahren 1689 und 1702 während der Belagerung von Kaiserswerth wurden einige Gebäude beschädigt und andere gänzlich zerstört. Große Probleme bereitete Haus Böckum auch das Rheinhochwasser im Februar des Jahres 1799, als die gesamten Gebäude im Wasser versanken.

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