Kellnerei und Burg Angermund

Burg Angermund
Burg Angermund
Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Bis heute ist sie weithin sichtbar, die alte Burg Angermund, die gemeinhin stets „Kellnerei“ genannt wird. Sie beherrscht die Rosenstadt Angermund und liegt am südlichen Ende des historischen Ortskerns.

Baubeschreibung der Burg Angermund

Grundriss Burg Angermund
By Ludwig Arntz [Public domain], via Wikimedia Commons
Bei der Burg Angermund handelt es sich um eine klassische Ringburg, die auf einem ovalen Grundriss beruht. Umgeben ist die Burg von einem breiten Wassergraben, der sich durch den angrenzenden Angerbach speist.

Umgeben ist die eigentliche Burganlage von einer ca. zwei Meter dicken Ringmauer aus Kalkstein, Tuff und Ziegelmauerwerk, die aus den Anfängen der Burg im 13. Jahrhundert stammt. Ein wahrscheinlich ursprünglich vorhandener Wehrgang ist nicht mehr erhalten.

Erhalten aber ist der nordöstliche Torbau, der in seinen Ursprüngen aus dem 15. Jahrhundert stammt und den Zugang zur Burg darstellt. Dieser Torbau wurde zwischenzeitlich zerstört und im Jahr 1653 neu aufgebaut, was dem Wappen zu entnehmen, das oberhalb der Tordurchfahrt angebracht ist.

Burg Angermund - Hauptgebäude Foto: A. Kircher-Kannemann
Burg Angermund – Hauptgebäude
Foto: A. Kircher-Kannemann

Das Hauptgebäude ist zweigeschossig und aus Bruchstein errichtet. Es besteht aus insgesamt drei Teilen: Der nördlichste dieser Teile ist auch gleichzeitig der älteste und stammt aus den Anfängen der Burg, sprich aus dem 13. Jahrhundert. Hier findet sich bis heute eine Fensteröffnung in romanischem Stil.

Der mächtige, etwa 26 Meter hohe Rundturm, der ehemals die Burg beherrschte, wurde im Jahr 1716 niedergelegt.

 

Geschichte der Burg Angermund

Grabmal Philipps von Heinsberg
Foto: Elke Wetzig (Elya) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons*

Eine erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1188 und findet sich in der Güterliste des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg; hier heißt es in der Münsterischen Güterliste unter Punkt 23:

„(23) Allodium de Angermonde XXXX marc. et reditus IIII o[r] marc. sol.   (P49)“

Es finden sich auch noch weitere im Bereich des späteren Amtes Angermund gelegene Besitzungen, diese sind:

„(27) Allodium Ottonis de Heldorp XL marc. sol.                                            (P46)

(28) Allodium Heinrici libri de Ratingen XL Marc. sol.                                 (P47)

(29) Allodium Sygewizen de Ratingen  XX sol.                                               (P48)

(44) Allodium Heinrici de Mundelincheim XXXX marc. Sol.                        (P83)“

 

In der Paderborner Abschrift der Güterliste wird unter Punkt 49 Angermund dezidiert als castrum bezeichnet; hier heißt es:

„(49) Castrum Angermunde et curiam adiacentem XL marcis et IIII- or marcis in reditibus emit“

Und auch hier finden sich weitere Orte und Besitzungen im Amtsbezirk von Angermund:

„(46) Predium Ottonis de Heldorp XL marcis emit.

(47) Henrici liberi de Ratingen XL marcis emit

(48) Allodium Siggwicen de Ratingen XXV marcis emit

(83) Allodium Henrici de Mundelincheim XL marc.“[1]

 

Burg Angermund
Burg Angermund
Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Das Ziel, das Philipp von Heinsberg mit dem Kauf all dieser Burgen, festen Häuser und Besitzungen verfolgte war es, das kurkölnische Territorium aus seiner Zerrissenheit zu befreien und ein zusammenhängendes Machtgebilde zu kreieren. Dies sollte primär den Expansionsdrang der Grafen von Berg einschränken, aber auch durchaus kaiserlichen Interessen entgegentreten.

Ein Ziel übrigens, das er nie ganz erreichte und das in dem Moment ein endgültiges Ende fand, als ein gewisser Engelbert auf dem Kölner Erzstuhl landete. Dieser Engelbert nämlich entstammte der Familie der Grafen von Berg und war eher diesen verpflichtet denn dem Wohl Kurkölns. Er war es auch, der die Burg Angermund mit ihren Besitzungen seinem Bruder Adolf III. von Berg zu Lehen gab.

Siegel Engelberts von Köln
Siegel von Erzbischof Engelbert I.
Quelle: Das Bergische Land DuMont Kunstreiseführer Kultur, Geschichte
Urheber bzw.
Nutzungsrechtinhaber
unbekannt
Bild aufgrund des Alters wahrscheinlich gemeinfrei
via Wiki-Media

 

Eine nochmalige Änderung in den Geschicken der Burg Angermund trat ein, als bereits zwei Jahre nach Übertragung des Lehens Adolf III. von Berg starb. Sein Erbe war sein Bruder: Erzbischof Engelbert und dieser begann im Jahre 1218 die Burg Angermund zu einer Grenzfeste auszubauen und sie zu erweitern. Heute noch erhalten ist der beeindruckende Hauptbau, der auf Engelbert zurückgeht, der sich auch einige Male auf der Burg Angermund aufhielt und hier auch urkundete.

Im November des Jahres 1225 fiel der Kölner Erzbischof in Gevelsberg einem Attentat seines Neffen, dem Grafen Friedrich von Isenburg, zum Opfer, so dass die Burg in Angermund erneut ihren Besitzer wechselte. Es war Herzog Heinrich IV. von Limburg, verheiratet mit Irmgard von Berg, der nun auf der Burg Einzug hielt.

Eben jene Irmgard von Berg sollte für Angermund und seine Burg zu einer wichtigen Gestalt werden, denn nach dem Tod ihres Mannes schloss sie im Jahr 1247 unter Mithilfe des Erzbischofs Konrad von Hochstaden einen Erbvergleich mit ihrem Sohn Adolf IV. von Berg. Dieser Erbvergleich sicherte ihr neben Schloss Burg, dem Stammsitz der Bergischen Herzöge, auch den Besitz der Burg Angermund zu. Ihr Sohn hingegen erhielt die Burgen in Windeck und Bensberg. Dies zeigt die Bedeutung Angermunds in dieser Phase des Mittelalters.

Wichtig für die Geschichte Angermunds wurde auch eine zweite Herzogin aus bergischem Haus: Agnes, Ehefrau Herzog Adolfs IV. Im Jahr 1327 erhielt sie die Burg Angermund als Wittum zuerkannt und residierte hier für einige Zeit (wohl bis 1361). Verschiedene Überlieferungen schreiben ihr eine große Bedeutung für die Geschicke der Region zu.

Nach ihrem wahrscheinlich 1249 erfolgten Tod, fiel Angermund an Adolf IV. Er ließ es sich angelegen sein, ähnlich wie bereits gut 60 Jahre zuvor Philipp von Heinsberg, den Territorialbesitz rund um Angermund zu vergrößern und zu einem einheitlichen Verwaltungsbereich zu machen. Hiermit legte er den Grundstein für das spätere Amt Angermund, das uns erstmals um 1350 entgegentritt. Seine Nachfolger Adolf V. und Adolf VI., der anscheinend sogar in der Kapelle der Burg Angermund getauft worden war, besuchten die Burg regelmäßig und erweiterten ihren Grundbesitz stetig.

So wurde die Burg in Angermund zum nördlichsten Bollwerk der Grafen und Herzöge von Berg und zu einem strategisch wichtigen Bauwerk in der Zeit der Territorialisierung. Zwar fiel die Burg offiziell immer noch unter die Lehnshoheit der Kölner Erzbischöfe, aber ihnen gelang es nicht mehr diese auch durchzusetzen, so dass sich Angermund nebst Burg und Besitzungen immer mehr zu einem bergischen Besitz entwickelte und Mitte des 15. Jahrhunderts Sitz des bergischen Kellners wurde, woher auch die volkstümliche Bezeichnung „Kellnerei“ für die Angermunder Burg stammt. Aufgabe des Kellners war es die landesherrlichen Pachten, Zinsen, Kurmeden und sonstige Abgaben einzuziehen. Im Jahre 1469 verzichtete Erzbischof Ruprecht von Köln offiziell auf alle Ansprüche an der Burg Angermund und deren Besitzungen, so dass spätestens ab diesem Zeitpunkt Angermund ein rein bergischer Besitz wurde.

Auch die Amtmänner von Angermund nahmen ihren Sitz seit 1350 immer wieder auf der Burg, unter ihnen etwa Angehörige der Familien von Calchheym, von Landsberg, von Winkelhausen, von Trostorp und von Scheidt.[2]

1479 trat die Burg noch einmal ins Rampenlicht, als hier die Verhandlungen über die Vereinigung der Herzogtümer Jülich-Berg und Kleve-Mark geführt wurden, die dann im Jahr 1511 umgesetzt wurde.

Ob es in das Reich der Legenden gehört, dass sich in der Burg Angermund auch ein Folterkeller befand, sei dahingestellt, Fakt aber ist, dass im Laufe der Jahrhunderte einige Personen auf der Burg inhaftiert und gefangen gehalten wurden.

Noch im 17. Jahrhundert wurde die Burg als Jagdsitz genutzt, verfiel dann aber mehr und mehr und verlor, wie so viele andere Burgen, zusehends an Bedeutung, zumal sie in den militärischen Auseinandersetzungen jener Zeit vielfach beschädigt und geplündert wurde.

Im Jahr 1716 wurden der mächtige Rundturm und die Lagerhäuser der Burg vollständig zerstört. 1780 dann erfolgte ein Umbau des Hauptgebäudes. In all der Zeit aber blieb die Burg in ihrer Funktion als „Kellnerei“ ein Verwaltungssitz des bergischen Territoriums, bis im Jahr 1806 das ehemalige Herzogtum Berg an Frankreich fiel. Unter französischer Herrschaft verlor die Burg ihre Funktion endgültig, wurde nur noch landwirtschaftlich genutzt und verfiel noch weiter.

Heinz Schmitz
Heinz Schmitz Angermunder Land und Leute I

 

Heinz Schmitz beschreibt anhand einer Karte des „Domainial-Kellnereihofes“ aus dem Jahr 1820, die mir leider nicht vorliegt, die Größe der Besitzungen, die zur damaligen Zeit zur Kellnerei gehörten:

„Die eigentliche Burg war von Weiher in einer Größe von 2 Morgen 8 Ruten umgeben. ‚Das neue Werk‘, früher ein Teich, ist hier als Wiese dargestellt. Auch der große Teich war nur zum Teil noch vorhanden, denn 14 Morgen lagen trocken und waren zu Land kultiviert worden. Dagegen lag der Brücke gegenüber noch ein herrliches Gewässer von etwa 5 Morgen Größe. Der breite Graben um diesen Teich faßte 1 ½ Morgen. Zum Distrikt gehörten noch der Blumengarten, der neue Damm, Gemüse- und Baumgärten (5 Morgen), der Kreuzplatz vor dem Tor, der Neckersdamm, der Schmittenweiher vor der Pforte, rechts am Wege nach Rahm gelegen, das Land am Schmittenweiher und noch einige kleinere Parzellen. […] Alles in alle waren es 87 Morgen und 64 Ruten, davon etwa 12 Morgen Teiche und Gräben, 50 Morgen an Wiesengelände und 25 Morgen Ackerland.“[3]

Den Verfall hielten auch die Fürsten von Hatzfeld nicht wirklich auf. Es war Edmund von Hatzfeld, der im Jahr 1833 die Kellnerei kaufte. Im Verlauf der Jahre nutzte die Familie Hatzfeld die Burg zum Teil als Försterwohnung und Wirtschaftshof.

Burg Merten
By Wolkenkratzer (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

1963 kaufte Peter Götzen die alte Angermunder Burg und versuchte sie zu restaurieren, was allerdings fehlschlug. 1983 allerdings hatte der Verfall dann tatsächlich ein Ende: Man begann die Burg zu sanieren und sie zu einer modernen Wohnanlage umzugestalten. Dabei wurden viele historische Details rekonstruiert, allerdings auch viele andere zerstört. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

 

Amtmänner von Angermund

Die Liste der Amtmänner ist leider immer noch nicht vollständig, aber eine weitere Auswertung zahlreicher Quellen lässt hoffen, dass diese Liste von Schmitz[4]  ergänzt werden kann.

1280                      Jakob von Gustinchen

1303                      Ritter Zobbo

1312                      Hermann von Calcheym

1335                      Heinrich von Grafschaft

1345                      Reynartz von Landsberg

1348                      Bernhard von Landsberg

1363                      Dyderike von Luychtmar

1367                      Dietrich von Limburg

1368-84                Hermann von Seelendonk

1394                      Hermann von Winkelhausen

1399                      Arndt von Calchem

1399                      Dietrich von der Horst

1402                      Rütger von der Horst

1404                      Gernot von Calchheim

1405                      Wenzel von Loe

1407                      Wilhelm von Calcheim

1428-30                Everhard Bolze

1432-36                Bernhard von dem Vorste

1438-60                Ailf von Quade

1460-75                Stael von Holstein

1475                      Ruprecht von Stein

1468-81                Hermann von Hammerstein (?)

1489-1509           Wilhelm von Hammerstein

1509-15                Gerhard Steinhaus

1515                      Gerhard von Troistorp zu Heltorf

1522-27                Gerhard von Troistorp zu Angerort

1527-43                Johann von Gogreve

1543-67                Sybert von Troistorp

1568                      Diederich von Horst

1570                      Adolf Scheidtmann

1571-91                Dietrich von der Horst

1596                      Rütger von der Horst

1616                      Christian Cloudt

1597-1623           Johann Bertram von Scheidt gen. Weschpfennig (?)

1623-43                Anton Unkelbach

1650-70                Friedrich Christian von Spee

1670-72                Freiherr von Steinem

1679                      Arnold Gottfried von Beveren

1688                      Ambrosius von Viermond Droste

1689-97                Arnold Johann von Vittighoven gen. Schell zu Schellenberg

1693                      Friedrich Christian von Spee

1714                      Freiherr von Scheel, Herr zu Schellenberg

1735                      Freiherr von Beveren

1797                      Freiherr von Beveren

1797                      Franz Josef Anton Graf von Spee

 

Kellner des Amtes Angermund:[5]

1350                                      Gottfried von Kellner

1358                                      Gerhard von Grafschaft

1424                                      Wilhelm von Kellner

1465-1467                           Willem Offerkamp

1475-1478                           Adolf von Beldekusen

1481                                      Hermann von Hammerstein

1485                                     Wilhelm von Eltz

1489-1509?                         Wilhelm von Hammerstein

1503                                      Hermann von Hammerstein

1510-1529                           Wolter von Plettenberg

1561-1569                           Kaspar Cramp von Bardenberg

1668                                      Heinrich Thenhoff

1564, 1573, 1576             Jakob Menghen

1573, 1579, 1583             Daniel Haß

1573                                      Gottfried Ruland

1587, 1592, 1595             Nikolaus Gaudier

1606-1622                           Mathias Wendeln

1622-1626                           Rütger von Arnßberg

1626-1643                           Bernhardt Mattenclodt

1643-1660                           Dietrich Christian Adolf Pfeilsticker

1665, 1666, 1668             Heinrich Thenhoff

1672                                      Coen und Leo Heinrich Schweitzers

1693-1711                           Peter Weitz

1714-1720                           Bernhard Wilhelm Meex

1721, 1730                          Hermann Wolfgang Francken

1737-1750                           Peter Anton Meex

1758-1759                           Hermann Josef Custodis

1776-1786                           N. Baasel

1795                                      Johann Wilhelm Steinwartz

1794-1801                           Ferdinand Baasel[6]

 

 

[1] Johannes Bauermann, Zu den Güterlisten Philipps von Heinsberg, in: Severin Corsten, Leo Gillessen (Hg.), Philipp von Heinsberg – Erzbischof und Reichskanzler (1167-1191). Studien und Quellen 1991, (Museumsschriften des Kreises Heinsberg, 12), S. 55–78.

[2] Heinz Schmitz, Angermunder Land und Leute, 2, Düsseldorf 1979, Bd. 1, S. 29f.

[3] Ibid., Bd. 1, S. 190.

[4] S. Anm. 2.

[5] Liste nach ibid., Bd. 1, S. 32.

[6] Einige Daten und Angaben von Schmitz erscheinen fehlerhaft und bedürfen einer genaueren Prüfung.

Fotos:

Grabmal Philipps von Heinsberg: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grabmal_Philipp_von_Heinsberg_K%C3%B6lner_Dom_0622.jpg

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