Herrenhaus Cromford

Die Familie Brügelmann und die Textilfabrik Cromford

 

Sucht man nach Industriegeschichte im ehemaligen Amt Angermund und nach Industriellen, dann wird es schwierig. Diese Region ist, bis auf wenig Ausnahmen kein Industriestandort gewesen. Es waren eher Bauern und kleinere Handwerksbetriebe, die hier beheimatet waren und die Landschaft und die Menschen prägten.

Eine der wenigen Ausnahmen ist dann aber gleich eine von Weltruhm, eine ganz besondere Ausnahme. Es ist die Familie Brügelmann, die eigentlich aus Elberfeld stammte und die hier quasi im Amt Angermund, genauer gesagt in einem Außenbezirk von Ratingen, etwas schuf, das noch heute, wenn auch nur als Museum existiert und das eine Revolution in Gang setzte.

Johann Gottfried Brügelmann und der Beginn der Industriellen Revolution

 

Alles begann im Sommer des Jahres 1784. Johann Gottfried Brügelmann aus Elberfeld zog nach Ratingen. Er tat dies, weil seine Mitbewerber ihm in Elberfeld die Hölle heiß machten. Sie wollten seine neuen Ideen zur Baumwollverarbeitung nicht, witterten Konkurrenz und das Aus für ihre eigenen Betriebe. Zumal da dieser Johann Gottfried Brügelmann auch noch ein Patent des Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor, hatte, das besagte, dass er auf 12 Jahre der Einzige sein solle, der in diesem riesigen Länderkonglomerat diese neumodischen mechanischen Spinnmaschinen würde betreiben dürfen.

Cromforder Mühle
Ratingen – Kromfordermühle
1914

 

In Ratingen sah man das nicht so eng. Hier gab es keine Zünfte oder sonstigen Zusammenschlüsse von Kaufleuten etwa, die etwas gegen eine solche „Fabrik“ einwenden sollten. Dafür gab es hier ein wunderbares Grundstück mit einer alten Mühle, die Brügelmann vom Grafen Spee gekauft hatte. Ideal, denn er brauchte Wasserkraft für seine neue Firma. Und es gab hier noch etwas: viele billige Arbeitskräfte. Besser ging es also nicht und so war die Umsiedlung von Elberfeld nach Ratingen beschlossene Sache.

Das Kapital, das Brügelmann brauchte, bekam er von seiner Frau. Anna Christina Ochsen, geb. Bredt war eine reiche Erbin und so verfügte man über ausreichend Geld, um dieses einzigartige und neue Projekt auch in die Tat umzusetzen.

Das unternehmerische Know-How hatte Johann Gottfried auch. Er war ein gut ausgebildeter Mann. Hatte weitreichende Erfahrungen als Kaufmann und Unternehmer, auch im Ausland gesammelt. Außerdem hatte er gute Geschäftsverbindungen und durch ein wenig Bestechung und Mauschelei nun auch endlich die passenden Maschinen und Arbeiter. Aus England versteht sich, denn in Deutschland und überhaupt auf dem Kontinent kannte noch niemand solche Maschinen, wie sie hier bald stehen sollten.

Spinning Jenny
Die durch Hargrave verbesserte “Spinning Jenny” etwa 1890, Public domain, via Wikimedia Commons

 

Die Verkehrslage war auch perfekt, man war ja nahe am Rhein und an Düsseldorf. Man hatte die Anger für die Energiegewinnung aus Wasserkraft und die Grundstücke waren offenbar herrlich billig – damals zumindest 😉

Ja und so nahm die erste mechanische Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent nun 1784 hier in Ratingen ihren Betrieb auf. Cromford nannte Brügelmann sein Reich. Nach dem Gründungsort der ersten englischen Baumwollspinnerei in Derbyshire.

Die Fabrik war von Anfang an sehr erfolgreich. Eigentlich auch klar, denn mit diesen neuen englischen Maschinen konnte Brügelmann Baumwollgarn deutlich schneller, kosteneffizienter und in größerer Stückzahl produzieren als alle seine Konkurrenten.

Und da man so erfolgreich war, wollte man dies natürlich auch nach außen zeigen und so begann im Jahr 1787 der Bau eines großen und imposanten Herrenhauses. Angeheuert wurde dafür auch ein Architekt, den auch der Kurfürst Karl Theodor sehr schätzte und der auch dessen Lustschloss in Benrath baute: Nicolas de Pigage.

Das Besondere an diesem Herrenhaus, das in der Tat eher wie ein kleines Schloss anmutet ist, dass es auch ein Kontor enthält. Eine ungewöhnliche Lösung, die sich eher selten findet, aber natürlich den praktischen Vorteil birgt, dass der Hausherr stets alles unter Kontrolle hat.

Herrenhaus Cromford
Herrenhaus Cromford Ratingen
Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Der unübersehbare Erfolg der Firma trug noch weitere Blüten nämlich die Erweiterung der Fabrikanalagen. 1795 wurde die sogenannte „Hohe Fabrik“ gebaut. Hoch deswegen, weil sie 5 Stockwerke umfasste. Dieser Gebäudeteil existiert bis heute und ist heute Sitz des Rheinischen Industriemuseums Cromford.

Etwa fünf Jahre später kam dann die nächste Erweiterung hinzu: die „Neue Fabrik“. Und dann kam auch noch „Obercromford“, einige hundert Meter entfernt vom Herrenhaus. Außerdem gab es einen Kontoranbau, denn das alte Kontor reichte längst nicht mehr aus, um die inzwischen sehr große Firma zu leiten.

Und da Johann Gottfried Brügelmann noch immer der Mann war, der Trends setzte, war er auch der erste Fabrikant, der Arbeiterwohnungen bauen ließ. Ganz in die Nähe der Fabrik.

Das Wachstum der Brügelmannschen Firma kannte damit aber noch immer kein Ende und so kam es, ebenfalls um das Jahr 1800, zu einigen Neugründungen in Düsseldorf, Köln, Rheydt und München, das inzwischen die Residenz des hiesigen Kurfürsten geworden war. Es waren weitere Baumwollspinnereien, Webereien, Färbereien, Strumpfwirkereien, Zuckersiedereien, Handelshäuser und Mühlen, die die Brügelmanns gründeten und somit ihr Imperium vergrößerten.

Sie wurden reich mit dem Verkauf von Garnen, Stoffen, Strümpfen, Strickwaren und auch mit dem Handel mit Lebens- und Futtermitteln, Haushaltwaren und Luxusartikeln.

Als Unternehmer war Johann Gottfried Brügelmann ein typisches Kind seiner Zeit, denn er war gleichzeitig Kaufmann, Verleger und Fabrikant, wie so viele andere auch. Modern an ihm aber war seine wirtschaftspolitische Einstellung. Er hielt nichts von Abschottung, außer sie nutzte ihm selbst, wie etwa das kurfürstliche Privileg. Er war für Freihandel und Gewerbefreiheit, forderte politisches Mitspracherecht des Bürger- und Unternehmertums, war Sprecher der bergischen Wirtschaftsvereinigung und gründete eine Unternehmerinteressenvertretung. Bereits seit 1785 war er Mitglied der Düsseldorfer Handelsgesellschaft, die sich die Förderung der Schifffahrt und den Bau eines Hafens auf die Fahnen geschrieben hatte. 1795 wurde er sogar zum Vorstand ernannt und geriet prompt in Streit mit dem Düsseldorfer Magistrat über die merkantilistische Handelspolitik.

Auch privat war Brügelmann sehr engagiert. So gründete er bereits in Elberfeld eine Lesegesellschaft, unterstützte Ratinger Schulen und das Düsseldorfer Armenwesen, wurde sogar zeitweilig zum Oberaufseher der Arbeitsanstalt der Armenversorgungsanstalt bestellt und außerdem stand er den Freimaurern nahe.

Ein ganz schön bewegtes und aktives Leben dieses Mannes, der dann im Jahr 1802 starb.

 

Johann Gottfried Brügelmann
Johann Gottfried Brügelmann
ca. 1800
http://www.lwl.org/aufbruch-download/bilder/verweise-biografien-A_E-1070636813_7.jpg

Johann Gottfried Brügelmann jr. und Jakob Wilhelm Brügelmann

 

Das Erbe Johann Gottfried Brügelmanns traten seine beiden Söhne, Johann Gottfried jr. und Jakob Wilhelm, an.

Es war eine schwierige Zeit in der sie die Geschäfte der Familie übernahmen, denn 1792 hatten die Revolutionskriege begonnen. Die französische Armee besetzte 1794 das linke Rheinufer, 1795 kam die Armee über den Rhein und besetzte auch das Herzogtum Berg, das fortan zum Großherzogtum wurde. Damit gingen zahlreiche Absatzgebiete des Brügelmannschen Imperiums verloren. Handel und Gewerbe kamen beinahe zum Erliegen. Dies blieb so bis zum Jahre 1815, als die französische Besatzung beendet wurde und das bis 1814 so genannte Großherzogtum Berg an Preußen fiel.

Dies erklärt, warum es bis zum Jahr 1820 dauerte, bis es in der einstmals modernsten Baumwollfabrik des Kontinents endlich wieder technische Neuerungen gab. Und es erklärt auch den zeitweiligen Niedergang der Fabrik. Die Zweigstellen wurden geschlossen, man konzentrierte sich auf den Kern der Unternehmungen, auf Cromford.

Zum Glück hatte die Familie schon früh begonnen ihr erwirtschaftetes Kapital in Grund und Boden anzulegen, so etwa in die Rittersitze Böckum, Remberg und Gräfgenstein. Bis 1818 kamen noch die Rittersitze Hausmannshausen, Diependahl, Hammerstein und Hahn hinzu, so dass die Familie Brügelmann zum größten Grundbesitzer der Region wurde, neben den Grafen von Spee, mit denen sie nicht immer auf gutem Fuß standen.

Beide Söhne des Gründers von Cromford waren, ebenso wie schon ihr Vater, politisch aktiv. Johann Gottfried Brügelmann jr. wurde 1808 Maire, d.h. Bürgermeister, von Ratingen und Eckamp und als er noch im selben Jahr starb, übernahm sein Bruder diesen Posten und behielt ihn bis zum Abzug der Franzosen 1813 bzw. 1814.

 

Gut Böckum – Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Jakob Wilhelm Brügelmann versuchte besonders aktiv eine politische Karriere zu machen. 1807 wurde er nach Fontainebleau an den Hof Napoleons zu einer Jagd eingeladen. Diese Ehrung brachte ihm zwar nicht ganz den gewünschten Posten ein, aber immerhin wurde er zum „Capitaine de chasses“ ernannt, d.h. er war derjenige, der fortan die Jagden des Hofes organisieren sollte.

Das Ende der französischen Zeit und der Beginn der preußischen Ära waren der Beginn einer neuerlichen Krise, denn nun, mit dem Ende der Kontinentalsperre, drängten vermehrt englische Waren auf den Markt. Viele Fabriken, insbesondere Baumwollfabriken mussten schließen, denn die englischen Baumwollgarne und -stoffe waren günstiger als die einheimischen Produkte.

Auch Cromford war dieses Schicksal beschieden. Im Jahr 1818 schloss die Familie Brügelmann die einstmals so florierende Fabrik. allerdings konnten sie, anders viele ihre Leidensgenossen, einen Konkurs verhindern, die Fabrik schloss einfach.

Jakob Wilhelm Brügelmann zog sich nach Obercromford zurück und verwaltete das Familienvermögen, Sophie Brügelmann, die Witwe Johann Gottfried jr.s, blieb mit ihren drei minderjährigen Kindern auf Untercromford. Auch sie war übrigens, genau wie ihre Schwiegermutter eine geborene Bredt.

Sowohl Sophie als auch Jakob Wilhelm kauften und verkauften weiterhin Land. Sie verpachteten es, betrieben Geldgeschäfte und konnten so zumindest den Bestand der Firma sichern. Und das Schicksal war ihnen hold, die wirtschaftliche Lage wurde wieder besser. Im Jahr 1823 konnte in Cromford die Produktion wieder aufgenommen werden.

Julius Brügelmann, der älteste Sohn Sophies hatte zu diesem Zeitpunkt enge Kontakte zur Maschinenfabrik Harkort in Wetter. Hier ließ er neue Maschinen für Cromford entwickeln und bauen, so gelang die Einführung neuer Wasserräder und vor allem einer Dampfmaschine.

Das Unternehmen aber ging nicht an ihn, sondern an Moritz Brügelmann. Er war es, der den Anschluss an die deutsche Industrialisierung wieder herstellen sollte.

 

Spinning Mule oder auch Mule Jenny – Capture from Baines 1835, Illustrations from the History of the Cotton Manufacture in Great Britain .Pub H. Fisher, R. Fisher, and P. Jackson [Public domain] via Wikimedia Commons

Moritz Brügelmann und die 2. Gründung von Cromford

 

Moritz Brügelmann gilt als der 2. Gründer Cromfords. Dass er das Unternehmen überhaupt erbte, verdankte er einem tragischen Ereignis, denn sein älterer Bruder Julius erschoss sich im Januar 1830 bei einer Jagd.

Moritz Brügelmann war zunächst, da er ja als jüngerer Sohn nicht das Sagen in Cromford haben würde, nach Holland gegangen, um ein eigenes Geschäft zu gründen. Der Tod seines Bruders ließ ihn von dort zurückkehren und er übernahm 1831 gemeinsam mit seiner Mutter Sophie die Geschäftsleitung der Fabrik Cromford. Bereits im Oktober 1830 hatte er wilhelmine Wille geheiratet, die Tochter eines Oberbergrats aus Dortmund. Sie war die erste Nicht-Geschäftsfrau in der Familie der Brügelmanns.

Moritz konzentrierte sich darauf die Fabrik auszubauen, sie zu modernisieren und vollzog so als erster Brügelmann den Schritt in die Zukunft. Er wandelte sich vom klassischen althergebrachten und tradierten Kaufmann zum modernen Industriellen. Seit etwa 1830 kam die Industrialisierung in Deutschland in Fahrt. Immer leistungsfähigere Feinspinnmaschinen wurden entwickelt und eingesetzt. Die Mules ersetzten Stück für Stück die alten Water Frames Arkwrights. So geschah es auch in Cromford. Einziger Haken an der Geschichte war, dass diese neuen Maschinen einen deutlich höheren Energiebedarf hatten als die alten.

Im Juli des Jahres 1837 zog sich Sophie Brügelmann aus den Geschäften zurück. Ihrem Sohn Moritz überschrieb sie die Fabrik und ihrer Tochter Charlotte die Landgüter. Moritz konnte also fortan schalten und walten wie er wollte. Und er tat es auch.

Der schon angesprochene erhöhte Energiebedarf der neuen Mules wurde durch ein neues Wasserrad gedeckt, dass er direkt 1837 an der Außenwand der Hohen Fabrik anbringen ließ. Es war aus Eisen, nicht mehr aus Holz wie die alten.

Schon aber kam das nächste Problem auf ihn zu, denn die neuen Maschinen wollten so recht nicht in das alte Fabrikgebäude hineinpassen. Außerdem war der Antrieb mit Wasserkraft durchaus nicht so problemlos wie man meinen sollte, denn im Sommer litt man häufig unter Wassermangel und im Winter unter Vereisung. Auch ein eigens angelegter Stauteich konnte dieses Problem nicht immer beseitigen. So ließ Moritz 1850 ein Radhaus für ein Wasserrad bauen. Die wirkliche Lösung war so aber auch noch immer nicht gefunden.

Die Lösung für das Wasser- und Energieproblem hatte man in England bereits im Jahr 1785 entdeckt: Es war die Dampfkraft. 1785 wurde sie erstmals in einer Spinnerei eingesetzt und nutzbar gemacht. In den 1820er Jahren begann die ersten Fabriken im Bergischen Dampfkraft zu nutzen und 1846 wurde sie in Cromford eingeführt.

Ursprünglich sollte die Dampfmaschine nur zur Unterstützung der Wasserkraft genutzt werden. Vor allem, da Moritz Brügelmann in den 1840er Jahren begonnen hatte mit Turbinen zu experimentieren, um die Wasserkraft noch effizienter nutzen zu können.

1849 war es dann soweit, dass er die erste Turbine in Obercromford einbauen lassen konnte. Dafür wurde die Stauanlage genutzt, die die Weberei versorgte und die für diesen Zweck etwa zehn Jahre zuvor eingerichtet worden war.

Der Crystal-Palace auf der Londoner Weltausstellung 1851
By J. McNeven (collections.vam.ac.uk) [Public domain], via Wikimedia Commons
Ein einschneidendes Erlebnis für Moritz Brügelmann, das seine weiteren Entscheidungen maßgeblich beeinflussen sollte, war der Besuch der Londoner Weltausstellung im Jahr 1851. Was er hier sah, das führte ihm deutlich vor Augen, dass die Zukunft seiner Fabrik nur lauten konnte weiter zu modernisieren und vor allem auch zu expandieren. Diese Expansion lag vor allem in einer noch größeren Weberei. Was Moritz in England sah zeigte ihm auch deutlich wie weit Deutschland hinter der englischen Industrialisierung hinterherhinkte. Man war abgehängt worden von England, denn das Maschinenzeitalter war in Deutschland noch nicht wirklich angekommen.

Die logische Konsequenz war es Kontakte nach England zu halten, sie wenn möglich auszubauen. Immerhin war es ja auch nur so dem ersten Gründer Johann Gottfried gelungen das mechanisierte Zeitalter überhaupt einzuläuten.

Moritz Brügelmann begann an einem Konzept zu arbeiten, dass die Expansion, eine größere Spinnerei und vor allem eine größere Weberei möglich machen sollte. Nötig dafür waren seiner Ansicht nach dafür vor allem die sogenannten „Shedbauten“ und Dampfmaschinen. Sheddächer finden sich noch heute in vielen älteren Fabriken. Hierzulande werden sie auch gerne Sägezahndächer genannt. Sie bieten den Vorteil einer guten Beleuchtung des Innenraums und durch ihre Ausrichtung nach Norden erwärmen sich die Räume nicht so stark.

Zwei Jahre nach der Weltausstellung, im Jahr 1853 war es dann soweit: Moritz Brügelmann erhielt 300 Webstühle aus Blackburn von Joseph Harrison. Ab diesem Zeitpunkt wurde das ganze in Cromford erzeugte Garn in der eigenen Weberei verarbeitet. Nichts wurde mehr als Zwischenerzeugnis verkauft.

Sheddach oder auch Sägezahndach

Auch die neuen Sheddachhallen wurden errichtet, eine hierzulande vollkommen neue Fabrikarchitektur. Cromford war einer der ersten Orte in Deutschland wo solchen Hallen erbaut wurden. Die Sägezahnhallen wurden zum Inbegriff der Industrialisierung.

Ebenfalls neu war die Dampfmaschinenzentrale, die nun den Antrieb aller Maschinen übernahm und um das Jahr 1900 war die Wasserkraft in Cromford endgültig Geschichte und das eiserne Wasserrad wurde abgerissen. Nahezu gleichzeitig wurden die alten Öllampen und Kerzen durch modernes Gaslicht ersetzt, das nun alle Fabrikteile beleuchtete.

Aber nicht nur Sachen Technik war Cromford in vielem federführend. Auch in Bezug auf sozialpolitische Neuerungen und die Situation der ArbeiterInnen war man hier aufgeschlossen. Moritz Brügelmann war der Typ des patriarchalischen Industriellen, streng aber durchaus auch auf das Wohl seiner ArbeiterInnen bedacht, denn er wusste, dass dieses auch für ihn zum Vorteil war. So wurde in Cromford 1856 eine „Arbeiter-Unterstützungskasse“ gegründet, die die ArbeiterInnen bei Unfall und Arbeitsunfähigkeit, auch bei Krankheit und Tod unterstützte. Ebenfalls wurden frei ärztliche Behandlung und die Versorgung mit Medikamenten übernommen. Der Fabrikherr zahlte 50 % der Beiträge.

Moritz Brügelmann hing liberalen Ideen an. 1848 nahm er an Treffen des demokratischen Vereins teil und als die Situation ein wenig kriselte, da schenkte er jedem seiner Arbeiter eine Flasche Bier oder Wein und versprach niemals jemanden zu entlassen.

Eine durchaus soziale Einstellung, insbesondere für diese Zeit, die jenseits des Kanals vom Manchester-Kapitalismus geprägt war. Wie sozial seine Einstellung war sieht man auch daran, dass er während des Amerikanischen Bürgerkrieges, also zwischen 1861 und 1865, als die Baumwolle in Deutschland zeitweilig ausgesprochen knapp wurde und man nur noch vier Stunden pro Tag arbeiten konnte trotzdem alle ArbeiterInnen behielt und sie außerdem voll weiterbezahlte, für 10 Stunden.

Dabei lebte er selbst eher sparsam. Den Hang seines Großvaters zu Luxus und zu teuren Statussymbolen, wie etwa dem Herrenhaus, hatte er nicht geerbt. Adelige Lebensweise war für ihn kein Vorbild, eher ein abschreckendes Beispiel. Er war ein Industrieller, so benahm er sich, so sah er sich. Dies war seine Lebenswelt bis er im Jahr 1879 starb und in Ratingen beigesetzt wurde.

 

 

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