Kellnerei Angermund

Heinrich Ferber – ein gräflicher Archivar

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des ehemaligen Amtes Angermund, dann stößt man bei der Literaturrecherche unweigerlich immer wieder auf dieselben Namen. Neben Heinrich Schmitz und seinem Sohn Heinz Schmitz, sind dies Theodor Lacomblet mit seinen Urkundenwerken, Otto R. Redlich und vor allem auch Heinrich Ferber.

EDIT: So kann es gehen: Da denkt man, man hätte einen Artikel gut und ausreichend recherchiert und dann findet man, oft eher durch Zufall, neue Quellen und muss den eben veröffentlichten Artikel korrigieren und ergänzen. So ist es auch in diesem Fall. Da ich einen für mich neuen Artikel über Heinrich Ferber gefunden habe, den Elisabeth Scheeben im Jahr 1995 zum 100. Todestag von Heinrich Ferber veröffentlicht hat, hier nun einige Ergänzungen und Korrekturen zu meinem ursprünglichen Text, die ich durch Durchstreichungen und „EDIT“ kenntlich mache:

Dieser Heinrich Ferber gilt als Archivar und offenbar auch begeisterter Regionalhistoriker, sein eigentlicher Beruf aber war der eines Verwaltungsangestellten. Geboren wurde er am 6. März 1832 in Düsseldorf. Hier besuchte er die Max-Schule [EDIT: Elementarschule] in der Citadellstraße in der Karlstadt.

Ferber Wanderung
Titelblatt von Heinrich Ferber „Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf“

 

Nachdem er die Schule im Jahr 1854 abgeschlossen hatte, fand er eine Anstellung als [EDIT: „CIvilstands-Secretair“ in Düsseldorf. Auf diesem Posten verblieb er bis zum Jahr 1854 und ging dann in eine Anstellung als] Sekretär bei Franz Egon von Hoensbroech auf Schloss Haag bei Geldern. Die Familie Hoensbroech, niederländisch „van Hoensbroeck“, blickte bereits damals auf eine lange Familiengeschichte zurück. Dieses ursprünglich limburgische Adelsgeschlecht wurde erstmals in einer Urkunde des Jahres 1280 greifbar. Ein Ritter „Reinier Hun“ findet sich in dieser Urkunde. Die gesicherte Linie dieses Geschlechts beginnt allerdings erst etwa 100 Jahre später mit dem Ritter „Nicolaus Hoen“, der als Schultheiß von Maastricht auf sich aufmerksam machte.

Der ursprüngliche Name des Geschlechts war also nur „Hoen“, das „Broek“ trat erst 1388 hinzu, als Ritter „Hermann Hoen“ den Ort „Broek“ bei Heerlen als Geschenk der Herzogin Johanna von Brabant und Limburg erhielt. Hier richtete die Familie nun ihren Stammsitz ein und residierte auf Schloss Hoensbroek, das bis heute erhalten ist und dessen ältester Teil tatsächlich auf das 14. Jahrhundert zurückgeht.

Im Laufe der Generationen spaltete sich die Familie – wie die meisten Adelsfamilien – in mehrere Linien auf und die ein oder andere Linie brachte den ein oder anderen Spross hervor, der uns bis heute wohl bekannt ist. So gab es einen spanischen Gesandten mit Arnold Adrian ebenso wie einen Roermonder Bischof mit Philipp Damian.

Ferber Nydeggen
Titelblatt von Heinrich Ferber „Geschichte der Familie Schenk von Nydeggen“

 

Das Schloss Haag in Geldern, auf dem Heinrich Ferber tätig war, kam im Jahr 1588 durch Heirat in die Familie derer von Hoensbroech und wurde später nicht nur Hauptsitz der Familie, sondern auch Basis des Erbmarschallamts, das ab spätestens 1431 mit diesem Sitz verknüpft war.

Spätestens durch die Tätigkeit an diesem geschichtsträchtigen Ort in einer Familie, deren Geschichte so weit zurückreichte, entdeckte Heinrich Ferber seine Neigung zur Geschichte. Die Archivbestände der Familie von Hoensbroech bildeten die Basis für Arbeiten zur Geschichte des Hauses Hoensbroech und des Herzogtums Geldern, die er im Auftrag des Grafen anfertigte.

 

Heinrich Ferber in Düsseldorf

Elf Jahre blieb Ferber in Geldern auf Schloss Haag. 1865 allerdings zog es ihn zurück in seine Heimatstadt Düsseldorf, wo er den Posten des Verwalters der von Albert Mooren geleiteten Augenklinik übernahm.

In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Maria Jörgens kennen, die er am 30. Januar 1869 heiratete.

Ob er auf seinem reinen Verwaltungsposten glücklich war oder nicht, das ist nicht mehr wirklich zu klären. Dennoch verblieb er 22 18 Jahre auf diesem Posten, [EDIT: bis die Klinik im Jahr 1883 schloss.] Bis zum Jahr 1887.  [EDIT: Man muss mit ihm dort sehr zufrieden gewesen sein, denn der Klinikdirektor Mooren schrieb am 30. September 1877 an den damaligen Oberbürgermeister Becker, „dass er dieses Amt trotz der beschränkten finanziellen und räumlichen Verhältnisse mit großer Gewissenhaftigkeit geradezu mustergültig ausgeübt habe.“[1] ]

In diesen [EDIT: beinahe zwei] Jahrzehnten blieb er aber der historischen Forschung dennoch verbunden und so erschienen Schriften über die „Niersjunker“ und das  „Düsseldorfer Landsteuerbuch“.

[EDIT: Was Ferber tat nachdem die Mooren-Klinik geschlossen wurde konnte ich leider bisher nicht herausfinden. Alt genug, um in den Rentenstand einzutreten war er mit seinen gerade einmal 51 Jahren jedenfalls nicht.]

[EDIT: Erst vier Jahre später, im Jahr 1887, wissen wir wieder über seine Berufstätigkeit bescheid:] In diesem Jahr wagte Heinrich Ferber einen absoluten Neuanfang, der aber auch in mancher Hinsicht eine Rückkehr war, denn er trat die Stelle des Archivars auf Schloss Heltorf in Diensten der Grafen von Spee an.

Heltorf
Eingang zum Schloss Heltorf – Foto: A. Kircher-Kannemann

Heinrich Ferber als Archivar der Grafen von Spee

Wieder also arbeitete er nun auf einem Schloss für eine alte und historische bedeutende Familie. Wieder war es ein altes Adelsarchiv, das ihm zur Verfügung stand und dessen Urkunden und Akten er auswerten konnte.

Aus jenen Jahren, die Ferber auf Schloss Heltorf tätig war, stammen zahlreiche Aufsätze über die Geschichte der Grafen von Spee und das Amt Angermund. Eine groß angelegte Geschichte des Geschlechts der Spees soll er in dieser Zeit zwar angefertigt haben, wenn man seinem Nachruf glaubt, aber sie war wohl nur für die Familie selbst bestimmt und ist nie im Druck erschienen.[2]

Offenbar blieb Ferber bis zu seinem Tod in Diensten der Grafen von Spee. Acht Jahre waren das. Er starb am 17. April 1895 in Düsseldorf. Sein Grab fand er auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.

Der Verfasser seines Nachrufs schrieb über ihn:
„Einen hervorstechenden Charakterzug Ferbers bildete die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit der er die zahlreichen wissenschaftlichen Anfragen, welche an ihn ergingen, aus dem reichen Schatze seiner historischen Kenntnisse beantwortete. Sein größter Schmerz war, dass er in der letzten Zeit seines Lebens nicht mehr die Kraft besass, sich den mit ihm verwachsenen geschichtlichen Arbeiten so, wie er gewollt hätte, zu widmen.“

Ferber Landsteuerbuch
Titelblatt Heinrich Ferber „Das Landsteuerbuch Düsseldorf’s von 1632“

 

[EDIT:

Und auch heute noch ist Heinrich Ferber eine wichtige Gestalt und sind seine Aufsätze, die er insbesondere über die Düsseldorfer Geschichte und über die des Amtes Angermund schrieb für uns von großer Bedeutung. Elisabeth Scheeben schrieb 1995: „Sie [die Arbeiten Ferbers, Anm. d. Verf.] sind, auch heute noch, wegen ihrer Detailfülle und der Sorgfalt bei der Recherche eine Fundgrube für die stadthistorische Forschung.“[3]

 

Literaturliste:

Historische Notizen über einige adelige Geschlechter, welche ehedem im Herzogtum Limburg ansässig waren
Ferber, H. H.. (1865) – In: Publications de la Société Historique et Archéologique dans le Limbourg Bd. 2 (1865) S. 422-432

Die Liste der Veröffentlichungen von Heinrich Ferber ist nicht vollständig. Es sollen, laut Elisabeth Scheeben, über 50 Beiträge gewesen sein, die er im Laufe der Jahre für die „Beiträge zur Geschichte des Niederrheins“ verfasste.
Ich werde mich bemühen diese Liste zu vervollständigen und bin für Hinweise zu weiteren Veröffentlichungen Heinrich Ferbers dankbar!

 Über Heinrich Ferber

  • Nachruf, in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins Bd. 10 (1895) unpaginiert nach  S. 265f.
  • Elisabeth Scheeben: Heinrich Ferber (1832-1895). Zum Gedenken an seinen 100. Todestag, in: Düsseldorfer Jahrbuch 66 (1995) S. 303-304.

 

[1] Elisabeth Scheeben, Heinrich Ferber (1832-1895). Zum Gedenken an seinen 100. Todestag, in: Düsseldorfer Jahrbuch 66 (1995) S. 303-304, hier S. 303f.

[2] S. Nachruf auf Heinrich Ferber in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Bd. 10 (1895) unpaginiert nach S. 265.

[3] S. Anm. 1, hier S. 304.

2 Gedanken zu „Heinrich Ferber – ein gräflicher Archivar“

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